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Studium an der HfJS

Erweiterungsstudium Jüdische Religionslehre für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen

B.A.Praktische Jüdische Studien

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Jüdische Religionslehre für das Lehramt an Gymnasien

I. Der Studiengang

EIN NEUER STUDIENGANG. Es war ein historischer Schritt, als die Hochschule für Jüdische Studien im Wintersemester 2001/02 den Studiengang Jüdische Religionslehre mit Abschluss Staatsexamen eingerichtet hat. Damit bestand zum ersten Mal die Möglichkeit, dass staatlich geprüfte jüdische Religionslehrer in den Staatsdienst übernommen werden. Das hat es zuvor noch nie gegeben und ist bisher im deutschsprachigen Raum einzigartig.

Seither haben zahlreiche Kandidaten ihr Lehramtsstudium an der Hochschule aufgenommen. Die ersten von ihnen schließen jetzt ihren Vorbereitungsdienst und ihr zweites Staatsexamen ab. Eine besondere Gruppe von Kandidaten und Stipendiaten kommt aus dem jüdischen Flüchtlingskontingent aus den GUS-Staaten. Sie treten nach dem Bestehen der Sprachprüfungen und der Vollendung ihres Studiums ihren Dienst in jüdischen Gemeinden an, die inzwischen mehrheitlich aus Kontingentflüchtlingen bestehen.

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EIN KOMPAKTER AUSBILDUNGSWEG. Die gesamte akademische Ausbildung zum jüdischen Religionslehrer erfolgt vom 1. Semester bis zum 2. Staatsexamen in Heidelberg. Die Lehramtskandidaten können ihre zweiten, gegebenenfalls auch dritten Fächer an der Universität Heidelberg studieren. Nach dem ersten Staatsexamen treten sie ihren Vorbereitungsdienst am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in HeidelbergIcon External Link an und erteilen unter der Anleitung eines jüdischen Ausbildungslehrers Religionsunterricht in Heidelberg und Umgebung. Für die Dauer ihres Studiums, können die Lehramtskandidaten ihren Lebensmittelpunkt nach Heidelberg verlegen, wo sie ein lebendiges jüdisches und akademisches Umfeld erwartet.

Der Studiengang für Lehramtskandidaten in Baden-Württemberg wird auch in Zukunft nicht auf MA und BA umgestellt werden, es bleibt beim Staatsexamen. Lediglich eine Anpassung der bisherigen Studien- und Prüfungsordnung wird ab Wintersemester 2010 erfolgen (zur Modularisierung des Studienganges ab 2010 → Fachpapier Jüdische Religionslehre – Hauptfach und Beifach). Das bedeutet, dass der Lehramtsstudiengang seine Besonderheit gegenüber den ebenfalls berufs- und gemeindeorientierten BA- und MA- Studiengängen bewahren wird und, dass das 2. Staatsexamen als einziger qualifizierender Abschluss für Lehrer im Staatsdienst erhalten bleibt.

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DAS GANZE STUDIUM AUF EINEN BLICK

(nach GymPO 2009)

Studien- und_Prüfungsordnung_-_allgemeiner_Teil

Studien- und_Prüfungsordnung_-_besonderer_Teil

Studienplan_jüdische_Religionslehre_(Hauptfach)

Studienplan_jüdische_Religionslehre__(Erweiterungsfach_im_Hauptfachumfang)

Studienplan_jüdische_Religionslehre__(Erweiterungsfach_im_Beifachumfang)

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GUTE BERUFSCHANCEN. Der neue Studiengang ist noch nicht überfüllt, obwohl er für die jüdischen Gemeinden wie auch für die zukünftigen Religionslehrer unbestreitbare Vorteile bringt:

  • Jüdische Religionslehrer im Staatsdienst entlasten die Jüdischen Gemeinden und ermöglichen ihnen auf qualifiziertes Lehrpersonal zurückzugreifen.
  • Ein jüdischer Religionslehrer im Beamtenstatus kommt in ein sicheres Arbeitsverhältnis und hat einen besseren Stand in der Schule und im Lehrerkollegium.
  • Das Wachstum der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland steht einem wachsenden Mangel an qualifizierten jüdischen Lehrkräften gegenüber. Die beruflichen Chancen für qualifizierte Lehrer/innen sind deshalb hervorragend.

II. Studieninhalte und -ziele

EINE NEUE WISSENSCHAFT MIT URALTEN WURZELN. Das neue Fach Jüdische Religionspädagogik bewegt sich nicht im luftleeren Raum. Es findet in Deutschland eine flächendeckende, wissenschaftlich und publizistisch rege allgemeine Religionspädagogik und –didaktik vor. Es blickt aber auch auf eine uralte „Lern“-Tradition zurück. Es ist sicher kein Zufall, dass sämtliche Quellen des Judentums den Lehr- und Lernbegriff im Titel führen: Tora, Talmud, Mischna, Gemara, Mischne Tora, Mischna Brura. „Lernen“ wiegt nach einem Wort der Weisen alle anderen Pflichten auf (Talmud Tora KeNeged Kulam, mPea 1,1).

Nach einem Vers aus dem Buch Josua (1,8), der zum Motto unserer Hochschule geworden ist, soll man Tag und Nacht „lernen“ ( והגית בו יומם ולילה → D. Krochmalnik, „Du sollst darüber nachsinnen Tag und Nacht“. Glauben und Lernen in der jüdischen Tradition). Für die jüdische Religionspädagogik ergibt sich aus dieser einzigartigen Hochschätzung des „Lernens“ in der jüdischen Tradition die Möglichkeit und Aufgabe, ihre Grundbegriffe aus den jüdischen Quellen zu entwickeln und so einen eigenen Stand in der gegenwärtigen Religionspädagogik zu behaupten. Natürlich stehen wir auch im jüdischen Kontext nicht alleine da. Wir verfolgen regelmäßig den Stand der Religionslehrerausbildung für den jüdischen Religionsunterricht an jüdischen Ganztagsschulen in den Vereinigten Staaten oder an den „Ganzlebensschulen“ in Israel. Aber unsere Ausbildung bleibt auf die besonderen Bedingungen der deutschjüdischen Gemeinden zugeschnitten mit ihren ganz spezifischen religiösen Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Bedürfnissen.

FORSCHUNGSSCHWERPUNKT MODERNE. Das traditionelle jüdische Erziehungs- und Bildungswesen hat an der Schwelle zur Moderne gerade in Deutschland schwere Anpassungskrisen durchgemacht und neue Formen gesucht. Am Lehrstuhl für Jüdische Religionspädagogik gibt es einen besonderen Forschungsschwerpunkt im Bereich der jüdischen Aufklärung in Deutschland (Haskala). Aus dieser „Sattelzeit“ stammen die meisten modernen jüdischen Bildungs- und Erziehungskonzepte, Schul- und Unterrichtsmodelle, Lehrer- und Schülerideale. Insofern ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Zeit immer auch eine Beschäftigung mit der eigenen Gegenwart und Zukunft (→ DFG-Forschungsprojekt).

Der Modernisierungsprozess verlief alles andere harmonisch. Gerade Lern- und Schulfragen waren häufig Anlass zu ideologischen Streitigkeiten und institutionellen Spaltungen, und so haben alle Richtungen des Judentums eigene Bildungskonzepte, Lehrer- und Rabbinerausbildungsstätten, Schulen- und Erziehungseinrichtungen hervorgebracht. Hier bietet sich ein reichhaltiges Material zur wissenschaftlichen Analyse und programmatischen Auswertung an. Dieser Forschungsschwerpunkt verbindet uns mit ähnlich gelagerten judaistischen Forschungsschwerpunkten in DuisburgIcon External Link und HamburgIcon External Link.

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LEHRENLERNEN. So wichtig die wissenschaftliche Fachbildung für das Studium ist, so wichtig ist das didaktische Training für den zukünftigen Lehrer. Der Lehramtskandidat erwirbt in den anderen Fächern der Hochschule ein breites judaistisches Wissen. In der jüdischen Religionsdidaktik muss er lernen, dieses Wissen im religiösen Kontext zu lehren.Denn im Religionsunterricht geht es vor allem um Religion! Die im Studium erworbenen Kenntnisse in Althebräisch und Iwrit, Bibel und Talmud, in alter und neuer Geschichte des jüdischen Volkes, in israelischer Geographie und Politik usw. sind für den Religionslehrer zwar unerlässliche Voraussetzungen, im Religionsunterricht sind sie aber nur Mittel für den religiösen Zweck. Die Religionsschüler lernen, um einige Beispiele zu nennen, nicht Hebräisch als Fremdsprache, sondern als heilige Sprache. Sie lernen die jüdische Geschichte nicht wie die profane ägyptische, die assyrische, die babylonische oder die römische Geschichte, sondern als heilige Geschichte.

Ein Schlüsselbegriff der allgemeinen und jüdischen Religionspädagogik und -didaktik ist: „Korrelation von Lernen und Leben“, jüdisch gesprochen: תורה עם דרך ארץ. Der Kandidat lernt in der Jüdischen Religionslehre und -philosophiedie alten Quellen im Präsenz zu konjugieren. Es kommt im Religionsunterricht nicht darauf an, wie es zur Zeit Ramses II., Sargon II., Nebukadnezzars oder Vespasians wirklich gewesen ist, sondern wie die katastrophalen Geschehnisse von damals im religiösen Gedenken verarbeitet und was sie für das religiöse Bewusstsein der Juden bis heute bedeuten.

Einen spezifisch jüdischen Stempel bekommen die disparaten Stoffe, die häufig die Lehrpläne des Religionsunterrichts verstopfen, erst durch ihre rabbinische Bearbeitung, die an der Hochschule vor allem in den Kernfächern Jüdische Bibelauslegung und Rabbinische Literatur behandelt werden. Der jüdischen Religionsdidaktik geht es dann um die schulstufen- und altersgerechte Vermittlung des Stoffes. Unterrichtsvorbereitungen, Schulpraktikum, fachdidaktische Lehrveranstaltungen, Unterrichtsbesuche begleiten das wissenschaftliche Studium und bereiten den Lehrer auf seine Aufgaben vor.

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ALTNEUE METHODEN. Dazu gibt es in der allgemeinen Religionsdidaktik eine Fülle von Neuansätzen und neuartigen Lehrmittel. Wir verfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Praktisch-Theologischen SeminarIcon External Link der Universität Heidelberg den Stand der Forschung auf diesem Gebiet. Dabei zeigt sich allerdings, dass der „Letzte Schrei“ oft nichts als der „Urschrei“ ist. Die viel gepriesene performative Symbol- und Liturgiedidaktik mit angeknüpften „sokratischem“ Lehrgespräch erinnert stark an das älteste biblische Lehrgebot: „Wenn dich dein Kind morgen fragt, was das für Zeugnisse, und Satzungen und Vorschriften sind (…) so sprich zu ihm (5 Mose 6, 20-21) und an die Formen rabbinischer Unterweisung (→ D. Krochmalnik, „Wenn dein Sohn dich fragt …“. Das symbol- und ritualdidaktische Paradigma des Sederrituals). Eine ausführliche Behandlung der jüdischen Fachdidaktik erfolgt im Referendariat (→Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung HeidelbergIcon External Link).

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NACH DEM STUDIUM. Der Lehrstuhl für jüdische Religionspädagogik ist über die Ausbildung von jüdischen Religionslehrern hinaus in vielfältiger Weise in Fragen der Religionsunterrichts involviert und soll auch nach Abschluss der Ausbildung ein Bezugspunkt der jüdischen Religionslehrer bleiben.

  • Gespräch mit den anderen monotheistischen Religionspädagogen (→ Trialog – siehe Tagungshinweis unten)
  • Internetzeitschrift für Jüdische Religionspädagogik und -didaktik (→ in Vorbereitung)

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Erweiterungsstudium Jüdische Religionslehre für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen

Seit dem Wintersemester 2009/10 hat die HfJS das Fach Jüdische Religionslehre im Erweiterungsstudiengang für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen aufgenommen. Der Studiengang ist eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Er wird Studierenden der Grund- und Hauptschullehramtsstudiengänge, innerhalb von zwei Semestern (im Umfang von 18 SWS) den Erwerb der zusätzlichen, staatlich anerkannten Qualifikation als jüdischer Religionslehrer ermöglichen.ZulassungsvoraussetzungWenn eine abgelegte Akademische Zwischenprüfung in einem Lehramtsstudiengang für Grund- und Hauptschule an der PH Heidelberg vorliegt, kann das Erweiterungsstudium parallel zum grundständigen Studiengang gewählt werden.
Die Zulassung zum Erweiterungsstudium erfolgt ebenso wenn eine Erste Staatsprüfung in Lehramtsstudiengängen für Grund- und Hauptschule oder eine Laufbahnbefähigung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Baden-Württemberg vorliegen.StudiumDer Studiengang ist Bewerbungspflichtig. Vor Beginn des Studiums ist ein Sprachnachweis für Neuhebräisch zu erwerben oder zu erbringen (Semesterkurs, 4 SWS). Studienbeginn ist jeweils im Wintersemester.  Die Regelstudienzeit dauert 2 Semester. Das Studium wird mit einem Staatsexamen abgeschlossen.Die Zulassungssatzung und die Studien- und Prüfungsordnung befinden sich im Genehmigungsverfahren und werden nach der Bewilligung ins Netz gestellt. Einzelheiten finden Sie demnächst hier.
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B.A. Praktische Jüdische Studien

Ziel des Studiengangs:

Der Bachelor-Studiengang Praktische Jüdische Studien 100% besteht aus zwei gleichwertigen Teilen, einem wissenschaftlichen und einem religionspraktischen. Der wissenschaftliche Teil entspricht dem Studiengang B.A. Jüdischen Studien (50%). Die übrigen 50% setzen sich aus religionspraktischen Modulen etwa zum traditionellen Gesetzesstudium, zur Gebetspraxis, zur jüdischen Erziehung zusammen. Die beiden Teile des Studiengangs sind aufeinander abgestimmt. Das intensive traditionelle Quellenstudium kommt den Jüdischen Studien zugute, die Kenntnis der neueren wissenschaftlichen Methoden einer modernen Religionsauffassung.
Zur Entstehung des Studiengangs B.A. Praktische Jüdische Studien, der aus dem Studiengang B.A. Gemeindearbeit hervorging und nun überarbeitet zum Wintersemester 2011 angeboten wird, lesen Sie hier den Bericht des Studiendekans, Prof. Dr. Daniel Krochmalnik.

Zulassungsvoraussetzung:

Zulassungsvoraussetzung zum Studium ist die Allgemeine Hochschulreife oder ein vergleichbarer Abschluss.

Qualifikation und Inhalt:

Durch den Bachelor-Studiengang soll eine solide Grundlage für weiterführende religiöse Studien geschaffen werden, die an kooperierenden rabbinischen Einrichtungen vollendet werden können. Ferner bildet der Bachelor-Abschluss die Vorraussetzung für die Fortsetzung des akademischen Studiums nach Erlangung der rabbinischen Ordination oder anderer religiöser Diplome (MA-, Promotionsstudium).

Modulhandbuch_Praktische_Jüdische_Studien

Prüfungsordnung_und_Studienplan


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